Schon am Montag auf der Rückfahrt haben Corinna und ich festgestellt, wie sehr uns doch die heimatliche bayerische Kost fehlt. Es gibt kein Schnitzel aus der Klappe, keinen Schweinebraten und natürlich auch keine Leberkaassemmel. Von am Schweinze ganz zu schweigen.
Aber wir sind ja keine Pflaumen und haben uns also mit den vorhandenen Zutaten saubane Gnedl gmacht und dazu eine in der Panne geschwungene Schwammal-Zwiebel-Putenfleisch-Soße. Es war ein Hochgenuss deutscher Esskultur, die ich mir auch gleich am nächsten Tag mit in die Arbeit nehmen musste. Nix hams griagt de Ticos, wobei ich ihnen auch gerne was abgegeben hätte, wärs nur einfach mehr gewesen.
Schon erstaunlich ist eine Tatsache, die ich schon eine Woche zuvor erfahren habe. Aber nun ist es soweit, die Woche der Geburtstage im Ministeiumsarbeitsteam beginnt. Schon Montag hatte Jorge Mora Geburtstag (von mir auch liebevoll der Brombeer(=mora)schorsch genannt), aber da war Feiertag. Am Mittwoch waren dann Junny Alejandra und Silvia dran. Junny Alejandra ist übrigens eine Person – die Sekretärin vom Brombeerschorsch. Silvia ist eine studierte Soziologin, kommt aber in der Arbeit auch nicht viel über stupides Tippen von Fragebögen und chatten im Internet mit Freunden hinaus.
Also Mittwoch, drei meiner vier, eigentlich fünf, aber zwei sind nur halbe Kollegen – einer Segundo = der Zweite, für diejenigen, die überhaupt kein spanisch können, weil er nur Vormittags da ist, der andere Toni, arbeitet eigentlich bei ICE, der Energieversorger hier in Costa Rica und hat auch irgendeine Funktion repräsentativer Art, ist aber fast nie da, haben Geburtstag. Komplizierter und komischer Satz, aber ihr werdet euch schon durch kämpfen.
Jefe ist schon ein bisschen älter und auch nicht so das Partytier und Junny kann aus irgendeinem Grund nicht – ich glaube verstanden zu haben, dass sie mit Familie und Freunden zu Hause feiert – mitkommen, eine Bar/Restaurant namens Río
zu besuchen. Ich gehe an diesem Tag schon ein bisschen früher nach Hause um mich mit der Corinna zu treffen, da Schlüssel und Schlösser ausgewechselt werden müssen.
Eine Kurze Zwischengeschichte: Schon Morgens treffen wir unseren Vermieter Mario – welch eine Freude – er teilt uns mit, dass da Schloss der Eingangstür (Eisentor am Gang) ausgewechselt werden muss. Unsere vecinas aus Mexiko haben nämlich eine Barbekanntschaft – männlich und aus Argentinien – für ca. drei Wochen bei sich wohnen lassen und als Dankeschön hat er einfach mal deren Geld, Gepäck und Laptop mitgenommen. Nicht zu vergessen auch die Wohnungsschlüssel.
QUE TONTA!
Nur kurze Zeit später treffen wir uns vor dem San Pedro Mall mit Silvia, um mit ihr anschließend zur genannten Lokalität zu gehen. Dort treffen wir sechs weitere Personen, die mit der Zeit eintrudeln. Zwei Männer und eine Frau, die Mitarbeiter oder ehemalige Mitarbeiter im Ministerium sind, eine Argentinierin, die seit fünf Jahren hier in Costa Rica lebt, und zwei weitere Freunde von Silvia. Leider konnte sich weder Corinna noch ich auch nur irgendeinen Namen merken (doch: eine heißt Wilma). Es war dort ein richtig schöner Abend mit ein bisschen Bier, netten Leuten und einer riesigen und sauleckeren Nachoplatte für alle. Später geht’s noch weiter in eine andere Bar - nahe unserer Wohnung und der berüchtigsten Weggehmeile in Costa Rica (die Calle la Amargura). Sie heißt Copas ist sehr gemütlich aber a bissal siffig und wir werden von einem weiteren Freund Silvias mit den Auto (ein nagelneuer Audi A4 – jaja die gibt’s hier auch) dorthin gebracht. Wir sind nur noch zu fünft. Lange hält es Corinna und mich nicht mehr. Wir nehmen beide ein weiteres Bier zu uns, unterhalten uns gut, wenn auch mit noch mittelmäßigem Spanisch, danach verabschieden wir uns und gehen zu Fuß nach Hause und – oh Wunder – uns ist nichts passiert.
Donnerstag war für Corinna wiedermal frei – auch nicht schlecht. So konnten wir uns zum Mittagessen treffen und anschließend hat sich Corinna auf die Suche nach einer neuen Hose gemacht und auch gefunden. Der Stil ist mal a anderer, aber auch gut. Außerdem gabs dazu den wohl hässlichsten Gürtel der Welt geschenkt. Der überaus nette und sehr kompetente (schwule) Verkäufer bedachte Corinna nach einer ausgiebigen Beratung mit einem rot weiß gepunktetem Etwas, das sich manch eine Dame mit sonderbarem Geschmack um die Taille legen mag, …, perfektes Souvenir für Frau Schrödinger.
Natürlich war am nächsten Tag wieder Arbeit angesagt, genauso wie am Freitag. Freitag Abend, kurz heim, frisch machen und wieder Richtung Zentrum San Pedro. Dort warteten wir auf Segundo und seine kleine Familie mit Frau und Sohn und machten uns auf den Weg nach Tres Ríos.
Diesen Ort kennt ihr bereits – wer mir sagen kann, woher bekommt ein kleines Geschenk, wenn wir wieder nach Hause kommen. Sagen wir mal ein Gallo Pinto zum Frühstück so wie es die Ticos machen.
Wenn ihr alle Lust habt, spielen wir in Zukunft öfter und es gibt auch immer eine Kleinigkeit. Das Spiel wird folgendermaßen funktionieren:
1. Regel: Corinna und Basti können immer die Regeln ändern.
2. Regel: Jeder darf mitspielen.
3. Regel: Nach „Schaltung des Gewinnspiels“ ist eine Woche Zeit, auf dem Mässitschheftl eine Antwort zu präsentieren.
4. Regel: Nicht die erste Nachricht gewinnt.
5. Regel: Die exakteste Antwort kann gewinnen.
6. Regel: Die kreativste Antwort kann gewinnen.
7. Regel: Die schönste Nachricht kombiniert mit der richtigen Antwort kann gewinnen.
8. Regel: Die wissenschaftlich fundierteste Antwort kann auch gewinnen.
9. Regel: Leute die Bauernbrot und Salami schicken bekomme automatisch ein Geschenk.
10. Regel: Wenn Rentner mitmachen gewinnen sie auf jeden Fall.
11. Regel: Pseudonym-Rentner werden nicht akzeptiert – wir kriegens raus!
12. Regel: Alle Regeln sind dem Ermessensspielraum der Spielleiter unterlegen.
13. Regel: Corinna und Basti haben immer die letzte Entscheidung.
14. und wichtigste Regel: Nur wer mitspielt kann gewinnen.
Also zurück zur Geschichte. Wir Fahren in einem roten Geländewagen während der hora punta zur Junny nach Tres Rios. Im Gepäck haben wir einen schon am Donnerstag zubereiteten Apfelstrudel , den die Ticos liebevoll Ap-feel-estudel
nennen. Wir oder besser gesagt Corinna in der Hauptrolle haben in der Zubereitung fast ohne Rezept und ohne die fehlenden Zutaten auskommend ein Meisterwerk gezaubert, das wir stolz den Geburtstagskindern und anderen Gästen präsentieren. ES SCHMECKT! Die Gastgeberin wohnt in einem großen Haus mit großem Garten. Der Garten ist gefüllt mit lustigen Tieren. Es gibt eine Babyziege, einen Hund und einen Papagei. Nahe bei den Tieren steht ein Grill, ein Tisch und ein paar Stühle. Es gibt Tico-Bratwürste, Tico-Grillfleisch und leckere Dips. Alles zusammen wird in Tortillas gerollt und schleunigst verschlungen, damit man eine zweite Portion bekommt. Aber auch mir fällt bald ein, dass genügend da ist, und das Essen wirklich besser genossen werden sollte. Es schmeckt richtig gut, bloß leider fehlt das Bier.
Wir stellen zu Hause fest, dass jeder bis auf uns beide seine eigenen Getränke mitgebracht hat. Wir haben was neues gelernt. Willst du Bier beim Grillen wird das bestimmt durch deinen eigenen Willen ;-) !
Der Abend verläuft recht ruhig wir unterhalten uns gut und fühlen uns richtig wohl in der Tico-/Tica-Runde. Wir stellen fest, dass Toni, schon eher über das mittlere Alter hinaus, ein Auge auf die junge Junny mit gerade mal 25 Jahren geworfen hat. Aber es scheint, als sei das ganze hier nichts Ungewöhnliches. Der Abend endet relativ früh, Segundo bringt uns mit dem Auto bis nach San Pedro und wir gehen zu Fuß nach Hause. Etwa um zehn sind wir im Hause Mario Chacon, gehen ins Bett und schlafen friedlich ein.