9.05.2008

Die Woche der Erwartung!

Es hängen nach wie vor zwei Contdowns an der Wand. Einer in der Küche, er zählt die Tage bis unser erster Besuch aus der Heimat kommt. Ein weiterer hängt im Schlafzimmer, es sind nur noch fünf Arbeitstage für mich im Ministerium.

Ein Großteil der Woche verläuft relativ unspektakulär. Corinna und ich gehen täglich in die Arbeit. Ich versuche, mit den mir zur Verfügung stehenden Daten, so gut wie möglich das GIS fertig zu stellen, das anschließend, sollte wirkliches Interesse im Ministerium bestehen, erweitert werden kann. Eine Kurzanleitung gibt’s von mir natürlich frei Haus.

 

Spannen war für mich noch ein „Ausflug“ in einen Slum - hier auf spanisch ein „precario“, was soviel wie kritisch bedeutet. Ich werde von einer Arbeitkollegin und einer Ortskundigen begleitet. Ein winziger Weg führt hindurch durch zwei Häuser einer eher schlechten Wohnsiedlung. Dahinter befindet sich ein Costa Rica, von dem man nichts hört, normalerweise nichts sieht und nicht nichts liest. An steilen Hängen sind mit Stein verstärkte Blech- und Holzhütten so gebaut, dass die „baumassig“ miserablen Gebäude die Form des Hanges in sich aufnehmen. Das bedeutet in der Praxis Schlaf im Stehen. Zwischen den eng an eng gestaffelten Hütten fließen die Abwässer bis ins Tal, wo sie sich zu einem kleinen Bach sammeln, der duch wenige Holzbretter als Behelfsbrücke passierbar gemacht wird. Die Wohnverhältnisse sind beengt. Teils mehr als fünf Menschen teilen sich Räume unter 20 Quadratmeter.

Auf der anderen Seite sind die Menschen dort freundlich, wirken weniger unglücklich als manch ein Mitteleuropäer in gesicherten Mittelstandverhältnissen. Die Leute grüßen und sprechen mit uns. Nicht mit mir! Mir wurde eine Kappe zur Tarnung und absolutes Sprechverbot zugeteilt, damit ich nicht fälschlicherweise als Gringo (US-Amerikaner, eine weniger beliebte Spezies in CR) eingestuft werde.

Insgesamt eine sehr bedrückende „Wanderung“!

Ansonsten gibt es für mich abermals einen Termin in der Clinica Pavas. Ich stelle dort meine Arbeit vor. Es wirk, als steigere sich das Interesse, nachdem ich mittgeteil habe, nicht weiter fürs Ministerium zu arbeiten. Aber ich habs zu oft im Guten versucht, Interesse zu wecken und meine Vorstellungen von Zusammenarbeit und einem Praktikum zu erläutern, als das ich jetzt noch mal umgestimmt werden könnte dort weiterzuarbeiten. Also es ist Freitag, mein letzter Arbeitstag - auf Wiedersehen.

Mein Countdown ist als also zusammengeschrumpft auf Null, Nella und Nikki müssen auch nur noch einmal Abgehakt werden.

Jetzt wird gefeiert! Am Samstag auf der Geburtstagsfeier des Fastehemannes von Corinnas Arbeitsfreundin. Er heißt Didier, also der Tico-Dieter. Klein, sehr netter Mensch, lustig und er spielt Fußball. Da will ich auch mitmachen ;-) !

Neben Didiers und Johannas Familie sind nur Lorenz, Katrin, Corinna und ich eingeladen. Eigentlich sollte das Spektakel schon Mittag beginnen, jedoch hindern uns starker Regen und überflutete Straßen daran, trocken zu Fuß zur Bushaltestelle zu gelangen. Auf halbem Weg sind wir von oben bis unter durchnässt. Corinna die Pünktlichkeit in Person will natürlich den Bus nehmen, doch schließlich sind doch alle darüber froh, dass ich mich durchsetzen kann. Wir gehen zurück zur Wohnung, ziehen uns trockene Sachen an und versuchen ein Taxi zu rufen. Bei starkem Regen gar nicht so einfach. Nach einigem hin und her ist klr, wir müssen wieder raus und schaun, dass ein rotes Fahrzeug mit gelbem Lichtlein hergeht. Gut gelaunt machen wir uns über Umwege (da auch der Taxifahrer den Wg nicht kennt, vielleicht auch ein bisschen extra dinero verdienen will) auf den Weg nach Concepción de Tres Rios. Wir kommen trocken an und werden von allen herzlich begrüßt. Es gibt arroz con pollo mit Chips. Später die Geburtstagstorte - wie üblich in CR mit Eis - und natürlich auch ein Ständchen von uns vieren auf deutsch.

Alles in Allem wird der Nachmittag und Abend sehr lustig bis trinkfreudig. Vor allem Lorenz hat in ein oder zwei Gläser tiefer geschaut, als der Rest. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt. Es gibt für uns vieles über CR und für den Rest des Haufens einiges über Deutschland zu erfahren. Bei gedigener Bierlaune wird von Corinna und Johanna zu später Tico-Stunde ein Joint-Venture eingegangen. Möglicherweise, sollten alle Hürden genommen werden können, wird bald costaricanischer Samenschmuck in Deutschland zu haben sein. Man wird sehen wie sich die Dinge drehen.

Insgesamt ein super Tag mit vielen neuen und positiven Bekanntschaften.

Neue Einladungen haben wir von Johannas Schwester und der Mutter der beiden erhalten.

Tja, wo werden die beiden wohl wohnen?

An dieser Stelle gibt es noch kein Gewinnspiel, sonst wird’s der Ilona wieder zu einfach ;-) !

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