Wie gesagt, es bleibt spannend!
Wir ziehen also traurig über den Abschied unseres angenehmen Besuchs von Dannen. Am Flughafenbusbahnhof spricht mich ein „Busschreier“ an, ob ich denn spanisch spreche. Er gibt mir Auskunft über den Bus nach San José – wann er fährt uns wieviel er kostet. Ganz nett, denke ich, aber eigentlich wissen wir ja bescheid. Jetzt fragt er mich noch ob ich englisch sprechen – ja – dann soll ich bitte dem Mädchen da auf der Bank die Infos übersetzten. Auf der Bank sitzt ein blondes amerikanisches Mädchen, sie wirkt sehr jung ist aber schon 28 wie sich später herausstellen sollte. Natürlich übersetze ich. Im Bus sitzen wir dann hinter ihr.
Wir beobachten sie ein klein wenig und bemerken, dass sie anscheinend keine besonders großen Ahnung hat, es scheint als stünde eine Sprechblase über ihr: „Oh, I´m in Costa Rica, right?“. Wir erkundigen uns, wohin sie denn will, was sie vor hat, ob sie denn eine Unterkunft hätte. Ihr Plan: Erstmal mit samt Reisegepack durch San José spazieren, einige Einkäufe erledigen und später irgendwann eine Unterkunft suchen. Klingt ja ganz gut, aber es ist so etwa zwei Uhr, bald wird’s richtig heftig zu regnen beginnen und mit Reisegepäck durch San José zu laufen ist gefährlich. Also erstmal unser Tip, sich eher im Osten als im Westen noch vor dem Shopping eine Unterkunft zu suchen. Am besten nicht in der Gegend des CocaCola-Busbahnhof.
Naja, wir reden eine Weile mit ihr und es stellt sich heraus, dass sie ohne Panung ein One-Way-Ticket gekauft hat, Zentralamerika bereisen will und bis heute noch nichts über ihre Zielländer weiß. Nach längerem Überlegen bieten Corinna und ich ihr für EINE NACHT das lehre Zimmer in unserer Wohnung an. Sie kommt mit, von uns zu essen und zu trinken und Corinna informiert sie den Abend lang über Costa Rica – sau brav meine Frau!
Insgesamt werden aus der angebotenen Nacht drei Nächte und wir rufen sogar am Freitag Abend die amerikanische Botschaft an. Sie weiß, dass wir am Samstag um halb sechs das Haus verlassen werden, weil wir eine Raftingtour mit Katrin und Lorenz geplant haben. Ich hatte sie Vormittags bis zur Bushaltestelle begleitet und genau erklärt, wie sie wieder zurück findet. Von ihr mittgeteilt und von uns somit erwartet war eine Rückkunft am Nachmittag. Bis neun Uhr Abends war sie jedoch noch nicht aufgetaucht. Ihr Pass, ihr Gepäck und ihr Geld liegt also in unserem Apartment, wir wollen ins Bett und am nächsten Tag werden wir nicht zu erreichen sein. Die Botschaft nimm lediglich die Passdaten und Infos zu unserer nächstmöglichen Erreichbarkeit auf. Also bleibt nur zu hoffen, dass ihr nichts passiert ist und sie noch irgendwann kommt.
Ok, sie kommt und damit sinds dann schon mindestens zwei Nächte.
Das Mädl heißt übrigens Ashley, ist 28 und kommt aus NY. Sie ist wirklich eine umgängliche Person und wir müssen sie ja nicht unbedingt loshaben. Es ist bloß so, dass wir nach gewisser Zeit – war ja auch zwei Wochen Besuch da, wiedermal ein bisschen Ruhe haben wollen, außerdem haben wir auch was vor und wollen ihr die Wohnung nicht alleine überlassen.
Jedenfalls verlässt sie mit uns am Samstag um dreiviertel sechs das Haus, „vergisst“ aber leider ihre Sachen, sodass sie augenscheinlich noch eine weitere Nacht bleiben will. Na gut, dann eben eine Übernachtung mehr, aber Corinna erklärt ihr Samstag Abend auf diplomatische Art und Weise, dass es vor allem für uns Sinn macht, dass sie sich am Sonntag eine neue Unterkunft sucht. Natürlich sieht sie das ein und ist dann auch Sonntag morgen verschwunden.
Nun aber nochmal zum Samstag. Wir treffen uns mit Katrin und Lorenz bereits um fünf Uhr 45, damit wir rechtzeitg am Treffpunkt sind und vom Raftingshuttelbus abegeholt werden können.
Ein bisschen müde und träge beginnt der Tag, aber mit einem bei Tagestouren Inclusivfrühstück – Gallo Pinto – gehen wir gestärkt an ein kleines Abenteuer heran. Ziel ist der Rio Pacuare, laut Lorenz einer der fünf schönsten natürlichen Wildwasserkanäle unserer Erde. Es ist tatsächlich beeindruckend, durch schmale zerklüftete Felscanyons zu fahren, sich ab und zu von einem herabbrausenden Wasserfall erfrischen zu lassen oder auch mal an einer ruhigen Stelle aus dem Boot zu hüpfen und einfach ein bisschen zu plantschen. Wir haben Glück: wir vier Bayern teilen uns ein Boot und haben einen sehr lustigen teils etwas verrückten Guide dabei. Saçi hat nur eineinhalb Beine, doch die Behinderung bemerkt man weder an Land noch im Wasser. Er führt uns sicher durch die Stromschnellen, schreit lauthals, wenn das Boot unter Wasser taucht
und lässt von Zeit zu Zeit ein paar Brocken Rammschtein von sich hören, während er auf seinem Paddel Luftgitarre spielt. Das Erlebnis ist schwer zu beschreiben, am besten man macht es selbst einmal. Auch die Fotos sprechen für sich! Den Abend wollten wir eigentlich mit einem netten Abendessen bei uns oder den Nachbarn ausklingen lassen. Später sind wir doch recht kaputt und entschließen uns, einfach ins Bett zu fallen.
Am Sonntag waren wir wieder einmal bei Corinnas Chefin und Pizzakochküntlerin eingeladen. Diesmal waren auch Lorenz und Katrin dabei. Es war saulecker, sauviel und dazu gabs noch Wein. Perfekt um das Wochenende angenehm ausklingen zu lassen.
Guas Nacht!